Wer hätte gedacht, dass ich diesen Beitrag dieses Jahr überhaupt noch schreiben kann? Also ich habe ehrlich gesagt nicht damit gerechnet. Wir leben nach wie vor in unsicheren Zeiten und dass die diesjährige BIKE Transalp stattfinden kann, habe ich natürlich immer gehofft, aber tatsächlich daran geglaubt habe ich nicht. Besonders nachdem die TOUR Transalp in den Herbst verschoben wurde, war für mich klar, dass die BIKE Transalp dann auch nicht wie geplant durchgeführt werden kann. Falsch gedacht! Mit einem umfangreichen Hygienekonzept konnten nach einem Jahr Pause wieder über 600 Mountainbiker/-innen an den Start des Etappenrennens gehen. Und ich war mittendrin. Mein Papa und ich gingen als Vater-Tochter Team an den Start. Wie ein solches Rennen zu Coronazeiten abläuft, was ich alles erlebt habe und wieso die BIKE Transalp für mich anders lief als geplant, erfahrt ihr in den folgenden Zeilen.

Für diejenigen, die die BIKE Transalp noch nicht kennen: Es handelt sich hierbei um ein 7-tägiges Mountainbike Etappenrennen. Die diesjährige Auflage führte von Nauders nach Riva del Garda. Das sind 577 km und 18.875 hm, die es zu bewältigen galt. Dabei wurde schon vorab gesagt, dass die diesjährige Strecke eine der wildesten und ursprünglichsten in der BIKE Transalp-Geschichte ist. Dass der Veranstalter hier nicht zu viel versprach, bekam ich noch schnell genug zu spüren.

BIKE Transalp zu Coronazeiten

Bereits im Jahr 2017 bekam ich im Rahmen der BIKE Transalp Schnuppertage erste Einblicke, wie ein solches Event abläuft. Dass die diesjährige Auflage aufgrund der Coronakrise nicht wie gewohnt ablaufen würde, war von vornherein klar. So gab es in diesem Jahr beispielsweise keine Pasta Partys. Stattdessen gab es für jeden Etappenort einen 10 € Gutschein, mit dem man in ausgewählten Restaurants essen gehen konnte. Auch das abendliche Streckenbriefing wurde über Youtube durchgeführt. Eine sehr gute Lösung der Veranstalter, wie ich finde. Am Samstag vor dem Start ging es dann erst mal zum Coronatest in Nauders, denn für die Einreise nach Italien musste ein negatives Testergebnis vorgelegt werden.

Etappe 1: Nauders – Livigno (96,56 km, 3.160 hm)

Pünktlich zum Start um 9 Uhr klarte der Himmel etwas auf. Der Wetterbericht hingegen meldete sehr unbeständiges Wetter, sodass wir auch für Regen gerüstet waren. Zum Einrollen wartete gleich eine sehr anspruchsvolle Etappe auf uns. Die ersten Kilometer führten hinauf Richtung Bergkastel, der Bergstation des Skigebiets von Nauders. Oben angekommen wurden wir mit Trail-Spaß vom feinsten belohnt: Bergkastel Trail und Plamort Trail bis zur Grenze nach Italien, entlang der bekannten Panzersperren.

Während der Abfahrt hatten wir eine traumhafte Aussicht auf den Reschensee. Unten angekommen, ging es dann auch noch einige Kilometer über den Radweg am See entlang bis nach Laatsch, dem tiefsten Punkt der Etappe.

Anschließend wartete wieder ein langer Anstieg auf uns, rund 1.400 hm am Stück. Die Strecke führte in der Schweiz durch das Val Mora, dem landschaftlich schönsten Teil der Etappe. Schließlich gelangten wir zum westlichen Ende des Lago San Giacomo di Fraele. Bevor wir unser Etappenziel Livigno, erreichten, drehten wir noch ein paar Extrakilometer. Da bereits die Strecke der zweiten Etappe ausgeschildert war, folgten wir zunächst den falschen Schildern. Zum Glück merkten wir relativ schnell, dass irgendwas nicht stimmt und kehrten noch mal um.

Über angelegte Mountainbike Wege, die wahnsinnig viel Spaß machten, ging es in die Endphase. Einige Kilometer vor Livigno begann es dann ordentlich zu regnen. Regen ist ja im Prinzip nichts Schlimmes, doch auch die Temperaturkurve fiel immer tiefer. Während es morgens in Nauders noch 25 °C waren, hatten wir gegen Ende des Tages nur noch 4 °C. Ich kann mich nicht erinnern, wann mir zuletzt so kalt war. Schalten und Bremsen war kaum noch möglich. Ich wollte nur noch eines: Endlich ankommen!

Foto © Markus Greber

Etappe 2: Livigno – Bormio (64 km, 2.031 hm)

An Tag 2 erwartete uns eine kürzere Etappe, die aber auch ein paar Streckenabschnitte beinhaltete, die einige Körner kosteten. Man könnte fast schon sagen, es war eine kleine Sightseeingtour rund um Livigno.

Auf 2.200 m führte ein wunderschöner Höhenweg ins Valle delle Mine. Hier gab es auch eine kurze Schiebepassage, die einen Stau auf dem Trail verursachte. So hatte man auch mal Zeit die Aussicht zu genießen.

Anschließend folgte für mich die Hike Transalp. Es ging wieder bergauf zur anderen Seite Richtung Bike Park Carosello 3000. Der Weg war wirklich extrem steil. Doch das Schieben hat sich gelohnt, denn es folgte die unheimlich spaßige Abfahrt über den Roller Coaster nach Livigno. Dieser Trail zählt ab sofort zu meinen Lieblingstrails.

Ihr könnt euch schon denken was jetzt kommt. Richtig, der nächste Anstieg. Am Seeufer des Lago di Livigno ging es wieder hinauf zum Passo Alpisella. Hinterher folgte die Abfahrt hinunter zum Lago di San Giacomo und Lago di Cancano, zwei traumhaft türkisfarbene Bergseen. Abschließend rollten wir über die Stelvio-Pass-Straße ins Ziel nach Bormio.

Foto © Markus Greber

Etappe 3: Bormio – Aprica (97 km, 3.241 hm)

Eine weitere lange Etappe stand auf dem Programm. Die ersten 40 km dieser Etappe waren wunderschön und ich hab mich auch noch echt gut gefühlt. Was dann folgte, war eine Abfahrt, bei der Endurospezialisten voll auf ihre Kosten kamen. Dass ich nicht zu den technisch begabtesten Fahrern gehöre, ist kein Geheimnis. Die Abfahrt nennt sich „Lagrosina“ und gehört zur 5 Crazy Down Serie. Mehr als 1.000 Tiefenmeter und zahlreiche Spitzkehren zeichnen diesen Trail aus. Die obere Sektion war etwas einfacher mit weiteren Kehren, die aber mit der Zeit immer schmäler und enger wurden. Auch der Untergrund wurde mit vielen Steinen und Felsen immer ungemütlicher. Für mich war dieser Trail größtenteils einfach unfahrbar. Es hat mich ziemlich geärgert, dass ich an dieser Stelle so viel Zeit verlor, wo andere einige Minuten gutmachen konnten. Was lernen wir daraus? Unbedingt an der Fahrtechnik arbeiten.

Über die Straße rollten wir zur letzten Verpflegungsstation des Tages. Es wurde inzwischen super heiß. Mein Sigma zeigte 37,5 °C an. Nicht gerade meine Wunschtemperatur um wieder 1.400 hm hinauf zu kurbeln. Somit wurde auch der letzte Anstieg mehr zur Qual als zu einem Vergnügen. Ich kann euch gar nicht sagen, wie froh ich war, als wir endlich die Ziellinie in Aprica überquerten.

Keine leichte Entscheidung: Abbruch der BIKE Transalp

Ich wünschte, ich hätte euch noch mehr von der diesjährigen BIKE Transalp zeigen können, aber leider habe ich mich dazu entschlossen, das Rennen an dieser Stelle abzubrechen. Ein solches Etappenrennen darf man nicht unterschätzen. Die vierte Etappe wäre mit fast 100 km und erneut über 3.000 hm wieder eine ordentliche Hausnummer gewesen. Ich gehöre eigentlich zu den Menschen, die immer optimistisch sagen, „irgendwie schafft man das schon!“, aber man muss auch mal ehrlich zu sich selbst sein. Mein Training war für den Anspruch dieser Strecken einfach nicht ausreichend. Ich hatte solche Schmerzen in den Armen und Handgelenken von den ruppigen Abfahrten, dass ich kaum noch meinen Lenker halten konnte. Und ihr kennt das ja sicher, gerade wenn man müde von den langen Anstiegen ist und dann noch anspruchsvolle Abfahrten kommen, wird man einfach immer unkonzentrierter und die Sturzgefahr steigt. Auch die Regenerationszeit kam für mich an den langen Tagen zu kurz. Man kommt nach 18 Uhr ins Ziel, kümmert sich anschließend um die Räder, geht duschen, Abendessen, schlafen und am nächsten Tag gehts wieder früh raus. Viel Zeit zum regenerieren bleibt einem da nicht. Das ist fast schon ein richtiger Teufelskreis.

Dennoch bin ich stolz auf das, was ich geschafft habe und nun um einige Erfahrungen reicher. Ich war drei Tage lang in wunderschönen Gegenden unterwegs und hatte Höhen und Tiefen, die ich so schnell nicht mehr vergessen werde. Und wer weiß, ich habe mir mitgenommen woran ich arbeiten muss um ein solches Etappenrennen zu bewältigen. Vielleicht werde ich es irgendwann noch mal versuchen 🙂