Endlich habe ich es geschafft! Seit Jahren nehme ich mir nun schon vor einen Stoneman zu fahren, doch jedes Jahr kam irgendetwas dazwischen. Normalerweise wäre es vor zwei Wochen für mich zur BIKE Transalp gegangen, doch die wurde aufgrund der Coronakrise auf 2021 verschoben. Ein Ersatzprogramm musste also her und das war der perfekte Zeitpunkt, um endlich das Abenteuer Stoneman in Angriff zu nehmen. Ich liebe die Berge und ich mache gerne Urlaub in Österreich. Logisch, dass meine Wahl gleich auf den Stoneman Taurista im Salzburger Land fiel.

Stoneman – Was ist das überhaupt?

Den meisten von euch wird der Stoneman ein Begriff sein, doch für all diejenigen, die noch nie etwas davon gehört haben, hier eine kurze Erklärung: Der Stoneman ist ein ausgeschilderter Rundkurs, den es inzwischen in fünf verschiedenen Ländern gibt: Deutschland, Österreich, Schweiz, Italien und seit Kurzem auch in Belgien. Jeder Stoneman hat um die 120 km und 4.000 hm. Wann und in wie vielen Tagen man die Strecke fährt (1,2 oder 3 Tage), kann jeder für sich entscheiden. Unterwegs gibt es verschiedene Checkpoints mit Stempelstellen. Die im Starterpaket enthaltene Stempelkarte muss an den Checkpoints gestanzt werden. Je nach gewähltem Starterpaket erhält man als Finisher eine Stoneman Trophäe mit einem goldenen, silbernen oder bronzefarbenen Stein (abhängig von der Anzahl der gefahrenen Etappen).

Stoneman Taurista C-Edition

In dieser Saison erwarten euch beim Stoneman Taurista 134 km und 4.500 hm. In dieser Saison? Ja, nur in dieser Saison! Wegen Bauarbeiten zwischen Flachau und Wagrain können zwei Checkpoints der eigentlichen Stoneman Taurista Route nicht angefahren werden. Dafür gibt es zeitweise einen neuen Checkpoint: das Hochgründeck auf 1.800 Metern Höhe. Somit wurden noch mal 11 extra Kilometer geschaffen. Die Höhenmeter bleiben gleich.

Quelle: www.stoneman-taurista.com

Unser Ausgangspunkt: Flachau

Der Startpunkt eines jeden Stonemans kann frei gewählt werden. Entlang der Strecke befinden sich zahlreiche Logis-Partner, bei denen ihr übernachten könnt und die sich voll und ganz auf Mountainbiker eingestellt haben. Auf der entsprechenden Stoneman Homepage, findet ihr Empfehlungen, wie ihr euch die Etappen von eurem gewählten Startpunkt am besten einteilt.

Ich startete mein Stoneman Abenteuer im Aparthotel „Der Rainerhof“ in Flachau. Die Unterkunft kann ich euch wirklich empfehlen: Moderne Zimmer, leckeres Frühstück und supernette Gastgeber, die mit dem Stoneman Taurista sehr vertraut sind.

Stoneman Taurista – Tag 1

Unsere erste Etappe umfasste 67 km und 2.300 hm plus 20 km für den Rückweg nach Flachau über den Ennsradweg.
Das erste Ziel: der neue Checkpoint am Hochgründeck. Hierfür ging es gleich einige Höhenmeter bergauf, teilweise auch richtig steil. Oben angekommen hat man eine sehr schöne Aussicht mit einem 360° Rundumblick auf 300 Berggipfel.

Der weitere Routenverlauf führte uns zum Checkpoint Rossbrand. Doch bevor wir das zweite Loch stanzen konnten, erwartete uns ein langer Anstieg mit einer sehr steilen, matschigen Schiebepassage. Leider ging uns auf dem Weg zum Rossbrand auch das Wasser aus und der einzige Brunnen entlang der Strecke hatte kein Wasser mehr. Was nehmen wir also als Lektion für den zweiten Tag mit? An jeder möglichen Wasserstelle die Flasche füllen.

Spätestens oben am Gipfel angekommen, wusste ich, wofür sich die ganze Schinderei gelohnt hat. Die Aussicht vom Rossbrand ist traumhaft.

Weiter ging es über teils technisch anspruchsvolle Trails und Schotterwege zum letzten Checkpoint der ersten Etappe, dem Mandlberg. Das dort ansässige Mandlberggut lädt normalerweise mit Leckereien und selbst gebrannten Spirituosen zum Verweilen ein. Leider haben wir einen Ruhetag erwischt und standen somit vor verschlossenen Türen. Doch halb so wild, denn den fantastischen Ausblick auf das Dachsteinmassiv, konnten wir trotzdem genießen. Und so waren wir auch schon am Ende der ersten Etappe und rollten gemütlich über den Ennsradweg zurück zur Unterkunft nach Flachau.

Stoneman Taurista – Tag 2 mit Kaiserwetter

Wie sich die Beine am Morgen nach der ersten Etappe angefühlt haben? Schwer, besonders von der Schiebepassage hinauf zum Rossbrand. Schieben oder tragen bin ich einfach nicht gewöhnt. Doch der Blick aus dem Fenster ließ mich die Schmerzen ganz schnell vergessen. Kaiserwetter für die zweite Etappe, ein Traum! 69 km und 2.200 hm galt es zu bewältigen. Gestartet wurde natürlich dort, wo wir am Vortag auch aufgehört haben, in Mandling. Dort wartete schon gleich der erste Anstieg auf uns. Über breite Forstwege ging es wieder bergab nach Forstau zum ersten Checkpoint des zweiten Tages.

Von Forstau geht es den Königsanstieg hinauf zur Oberhütte am See – gelegen auf 1.860 Metern Höhe, eingebettet zwischen den schroffen Bergen der Schladminger und Radtstädter Tauern. Die Oberhütte bietet eine schöne Möglichkeit um einzukehren und noch mal die körpereigenen Speicher aufzufüllen, bevor es auf den höchsten Punkt geht, der Seekarscharte auf 2.022 Metern Höhe. Der Weg dorthin ist wahnsinnig kräftezehrend. Fahren ist teilweise unmöglich und so muss das Rad eine gute Weile geschoben oder sogar getragen werden.

Auch der Weg bergab nach Obertauern ist aufgrund der teils steilen, felsigen Passagen nur was für geübte Mountainbiker. Doch was das Panorama angeht: Einfach nur einmalig! Ich glaube die Bilder sprechen für sich!

Nach wenigen Kilometern wartete auch schon das nächste Naturspektakel auf uns – der über 60 Meter hohe Johanneswasserfall, den man auch über eine kurze Tragepassage erreicht. Wer sich etwas Zeit nimmt, kann sogar über einen Pfad hinter den Wasserfall wandern.

Bevor wir zum allerletzten Checkpoint angelangten ging es einige Kilometer über den Ennsradweg nach Altenmarkt, wo noch mal ein Anstieg von ca. 600 hm bewältigt werden musste. Am Berggasthof Sattelbauer, angekommen, fiel einfach nur eine riesige Last von mir. Ich war überglücklich, meinen ersten Stoneman gefinished zu haben, aber auch heilfroh, dass es endlich zu Ende war, denn meine Speicher waren wirklich leer.

Ist der Stoneman Taurista eine Empfehlung wert?

Bereits im Voraus habe ich im Internet einiges über den Stoneman Taurista gelesen. Neben zahlreichen positiven Bewertungen gab es aber auch die ein oder andere Person, die den Stoneman Taurista als langweilig abstempelte und die geringe Anzahl an Trails kritisierte. Umso gespannter war ich natürlich, wie ich die Tour empfinden werde.

Rückblickend kann ich sagen, dass der Stoneman Taurista definitiv die härteste Mountainbike Tour war, die ich je gemacht habe. Zwar waren die beiden Etappen nicht gerade lang, aber die Anstiege und vor allem auch die drei langen Schiebe-/Tragepassagen hatten es wirklich in sich und kosteten einige Körner. Der Trailanteil ist im Vergleich zu den anderen Stoneman Runden relativ gering. Ich persönlich fand das jedoch überhaupt nicht schlimm, denn der Taurista kann mit anderen Faktoren, wie dem traumhaften Alpenpanorama, punkten.

Seid ihr auch schon mal einen Stoneman gefahren? Falls ja, welchen und wie hat es euch gefallen? Ich bin gespannt auf eure Nachrichten und Kommentare 🙂