Ich kann es kaum glauben, aber inzwischen sind schon sechs Jahre vergangen, seit ich mit dem Stoneman Taurista in Österreich meinen ersten Stoneman gefahren bin. Eigentlich stand für mich damals schon fest, dass das nicht mein Letzter bleiben würde. Trotzdem verging die Zeit schneller als gedacht. Jetzt war es endlich Zeit für Stoneman Nummer zwei. Die Wahl fiel schnell auf den Stoneman Arduenna. Zum einen ist Ostbelgien für mich als Saarländerin schnell erreichbar, zum anderen wollte ich die Region schon lange einmal auf dem Rad erkunden. Also stand der Plan fest: zwei Tage Mountainbiken, viele Trails und die Frage, ob sich auch der zweite Stoneman wieder so besonders anfühlen wird.
Was steckt eigentlich hinter dem Stoneman?
Der Stoneman ist ein ausgeschilderter Mountainbike-Rundkurs, den es aktuell in fünf Ländern gibt: Deutschland, Österreich, Schweiz, Italien und Belgien. Die Touren haben eine Distanz von 120 bis 176 km und zwischen 3.900 und 4.700 hm.
Gefahren wird innerhalb einer festgelegten Saison, deren Zeitraum in jedem Land variiert. Den genauen Starttermin kann jeder frei wählen. Außerdem entscheidet man selbst, ob man die Strecke an einem Tag oder entspannt in zwei oder drei Etappen absolviert. Unterwegs passiert man mehrere Checkpoints, an denen die Starterkarte aus dem Starterpaket gestanzt wird. Als Finisher erhält man eine Stoneman-Trophäe mit einem Stein in Gold, Silber oder Bronze, abhängig davon, in wie vielen Etappen die Strecke absolviert wurde. Mit jedem weiteren gefahrenen Stoneman wächst auch die persönliche Trophäe Stück für Stück weiter.
Der Stoneman ist inzwischen weit mehr als ein klassisches Mountainbike-Konzept. In Italien und im Erzgebirge gibt es auch Varianten für Rennradfahrer. Wer lieber wandert, findet mit dem Stoneman Hike in Italien und der Schweiz eine passende Alternative. Und im Winter gibt es im Erzgebirge sogar die Möglichkeit, den Stoneman auf Ski zu erleben.
Planung und Vorbereitung für den Stoneman Arduenna
Bevor das Abenteuer starten konnte, mussten noch einige Vorbereitungen getroffen werden. Für mich stand von Anfang an fest, dass ich den Stoneman Arduenna in zwei Tagen fahren möchte. Da der Startort frei gewählt werden kann, habe ich mir im Vorfeld Gedanken zur Etappenplanung gemacht. Mein Ziel war es, möglichst ohne Gepäck unterwegs zu sein und nur in einer Unterkunft zu übernachten. Meine Wahl fiel auf Sankt Vith, da ich an diesen Ort nach der ersten Etappe am einfachsten wieder mit dem Rad zurückkehren konnte.

Auch beim Starterpaket gab es eine Entscheidung zu treffen. Zur Auswahl stehen drei Varianten: NOW, Card und Classic. Während NOW rein digital ist und Card nur die klassische Starterkarte für die Checkpoints enthält, habe ich mich für das Classic-Paket entschieden. Dieses enthält zusätzlich zur Starterkarte noch einige Extras wie eine Routenkarte, einen Postkartenkalender, ein Multifunktionstuch und eine Trinkflasche.
Entlang der Strecke gibt es zahlreiche sogenannte Logis-Partner, also Unterkünfte, die auf Mountainbiker eingestellt sind. Dort kann man nicht nur übernachten, sondern auch das Starterpaket abholen.

Außerdem habe ich mir die Orte entlang der Strecke etwas genauer angesehen. Dabei ging es mir vor allem darum, mögliche Verpflegungsstellen, wie zum Beispiel Supermärkte oder eine Bäckerei, zu finden.
Etappe 1: Von Sankt Vith nach Herresbach
Früh am Morgen machten mein Papa und ich uns auf den Weg nach Belgien. Bei strahlend blauem Himmel verließen wir das Saarland und erreichten nach etwa zwei Stunden den Ort Sankt Vith, wo sich das Wetter von einer anderen Seite zeigte. Statt Sonne und Wärme erwarteten uns nur noch 11 Grad und eine graue Wolkendecke. Im Hotel Pip-Margraff, eines der Logis-Partner und unserer Unterkunft für diesen Tag, lag das Starterpaket bereits an der Rezeption bereit. Kurz darauf konnte es endlich losgehen und wir starteten in die erste Etappe.

Kaum hatten wir Sankt Vith verlassen, führte die Strecke direkt hinein ins Grüne. Schon nach wenigen Kilometern erreichten wir den ersten Checkpoint in Born. Die Infotafeln an den Checkpoints liefern interessante Hintergründe zur Region und gleichzeitig Informationen zum nächsten Abschnitt der Tour.

Der Weg Richtung Malmedy führte zunächst durch das Waldgebiet „Wolfsbusch“. Nach einigen Höhenmetern gelangten wir zu einer Felsformation, bevor ein paar technisch anspruchsvolle Trailabschnitte folgten.


Dann erreichten wir Malmedy und damit auch den zweiten Checkpoint. Von der Kathedrale aus ging es anschließend steil hinauf zum Kalvarienberg. Irgendwann wurde der Anstieg so steil, dass ich einige Meter schieben musste. Oben angekommen hatten wir einen schönen Blick über die Stadt.



Danach wurde die Landschaft weiter und ruhiger. Durch das Warchetal ging es Richtung Hohes Venn, dem größten Naturschutzgebiet Belgiens.




Vom höchsten Punkt Belgiens rollten wir anschließend wieder bergab, vorbei am See von Robertville. Unterwegs querten wir mehrfach den Vennbahn-Radweg. Aber ein Stoneman wäre nicht ein Stoneman, wenn es nicht weiter über schmale Pfade und Wiesenwege ginge.

In Bütgenbach befand sich nicht nur der nächste Checkpoint, sondern auch eine Bäckerei. Gestärkt mit einem Stück Himbeertorte ging es weiter in den letzten Abschnitt Richtung Herresbach. Dieser führte durch das Ourtal, ein unberührtes Flusstal im Süden von Ostbelgien.
Vom letzten Checkpoint des Tages ging es dann über Radwege zurück in die Unterkunft nach Sankt Vith. Ein kleiner Fun Fact am Rande: Ich hatte extra ein Hotel mit Wellnessbereich ausgesucht, um nach der Tour noch etwas entspannen zu können. Leider kamen wir so spät an, dass dieser bereits geschlossen hatte. Immerhin schafften wir es noch rechtzeitig in ein italienisches Restaurant, wo wir mit einer leckeren Portion Pasta die Energiespeicher wieder auffüllen konnten.

Etappe 2: Von Herresbach nach Sankt Vith
Der zweite Tag begann mit einem ausgiebigen Frühstück im Hotel. Sogar frische belgische Waffeln konnte man sich am Buffet zubereiten. Gut gestärkt ging es anschließend zurück auf die Strecke. Bis zum ersten Checkpoint des Tages mussten einige steile Rampen bezwungen werden. Dazu kam, dass die Wege, wie auch schon auf der ersten Etappe, vielerorts matschig waren, was das Vorankommen zusätzlich erschwerte.

Die zweite Etappe führte ins Dreiländereck (Deutschland-Luxemburg-Belgien). Kurz vor dem ersten Checkpoint in Maspelt gibt es sogar eine Wasserstelle. Die Möglichkeiten Wasser zu tanken, sind auf demStoneman Arduenna eher selten. Ich war deshalb sehr froh, meinen Trinkrucksack dabei zu haben.



In Dackscheid hatten wir erstmals wieder deutschen Boden unter den Reifen. Von dort ging es permanent abwärts, mal durch dichte Laub- oder Tannenwälder, mal entlang von Bachläufen.
Der nächste Ort Ouren liegt am südlichsten Zipfel Ostbelgiens. Hier verlaufen die Grenzen zwischen den drei Staaten Belgien, Deutschland und Luxemburg mitten durch die Our und Ribbach. Der Dreiländerpunkt befindet sich mitten in der Our. Ganz in der Nähe befindet sich auch das Europa-Denkmal. Hinter dem Denkmal ging es in einen Waldweg nach Luxemburg, bevor es anschließend wieder über Wald- und Wiesenwege zurück nach Belgien ging.




Später erreichten wir Reuland. Die dortige Burgruine gilt als eine der Schönsten in den Ardennen.

Der Checkpoint in Grüfflingen war unser achter und Letzter. Das Gefühl, wenn die Karte endlich fertig gestanzt ist, ist einfach toll. Die letzten Kilometer nach Sankt Vith waren sehr zäh. Immerhin steckten jetzt auch schon einige Kilometer und Höhenmeter in unseren Beinen.

In Sankt Vith gab es erst mal zwei Kugeln Eis und ein Stück Reiskuchen beim Bäcker. Zurück in unserer Unterkunft konnten wir dann mit unserer vollständig gelochten Starterkarte unseren Stoneman Stein entgegennehmen. Besonders schön ist dabei, dass jeder Medaillenstein aus dem jeweiligen Gebirge stammt und so einen direkten Bezug zur Region hat.
Fazit zum Stoneman Arduenna
Dadurch, dass ich bereits einen Stoneman gefahren bin, lässt es sich kaum vermeiden, Vergleiche zu ziehen. Eigentlich wird das dem Konzept aber nicht ganz gerecht, denn jeder Stoneman hat seinen eigenen Charakter und genau das macht den Reiz aus. Während mir vom Stoneman Taurista vor allem das beeindruckende Bergpanorama in Erinnerung geblieben ist, fühlte sich die Landschaft in Belgien für mich überraschend vertraut an. Landschaftlich erinnerten mich viele Abschnitte an das Saarland. Der Stoneman Arduenna punktet dafür mit einem hohen Trailanteil und einer sehr abwechslungsreichen Streckenführung. Statt langer Anstiege erwartet einen ein ständiges Auf und Ab über Waldwege, Naturpfade und immer wieder auch technisch anspruchsvollere Passagen. Nicht ganz einfach fand ich die Bedingungen auf einigen Abschnitten, da viele Wege matschig oder teilweise stark zugewachsen waren. Das hat die Tour an manchen Stellen zusätzlich fordernd gemacht. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb bleibt mir der Stoneman Arduenna als schöne Herausforderung in Erinnerung, mit vielen besonderen Momenten, aber auch Phasen, in denen man sich die Höhenmeter wirklich erarbeiten musste. Umso schöner war am Ende das Gefühl, die Strecke erfolgreich gefinisht zu haben 🙂
Und wie sagt man so schön: Aller guten Dinge sind drei. Ich bin gespannt, wohin mich mein nächstes Stoneman-Abenteuer führen wird.

