Ein Tag bei den Cyclo-Cross Weltmeisterschaften

Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich letztes Jahr im Herbst an einem Sonntagnachmittag auf der Couch eine Zeitschrift durchblätterte und plötzlich auf eine Werbeanzeige blickte: Die UCI Cyclo-Cross Weltmeisterschaften 2017 finden in Luxembourg statt. Cyclo-Cross ist ein Teil des Radsports, mit dem ich bisher eher weniger in Berührung kam, aber Weltmeisterschaften quasi direkt vor der Haustür? Das wollte ich mir nicht entgehen lassen. Ein paar Monate später nahm ich mir also die Zeit und ging im Internet auf Ticketsuche. Über die offizielle Homepage war der Kauf auch schnell abgeschlossen. Beim Preis musste ich allerdings zwei Mal hinsehen. Stolze 36,00 € pro Person im Vorverkauf. Naja, ich wollte unbedingt hin, also nahm ich auch den hohen Preis in Kauf. Zum Vergleich: Der Eintrittspreis für ein Mountainbike Weltcup Rennen liegt meistens bei ca. 10 €.

Nach wochenlanger Vorfreude war es dann gestern endlich so weit: Um Punkt 9 Uhr machte ich mich auf den Weg nach Bieles. Am Ortseingang waren auch schon gleich zwei Park & Ride Parkplätze ausgeschildert. Nachdem ich mich dann einmal verfahren habe (da habe ich wohl ein Schild übersehen), kam ich endlich auf einem der beiden Parkplätze an. Ich war mir zuerst nicht sicher, ob das wirklich der Parkplatz oder vielleicht sogar schon die WM Strecke war, auf der ich nun mit meinem Auto stand?! Riesige Pfützen und Schlaglöcher. Ob ich meinen Smart je wieder aus diesem Feld herausbekommen würde?! Zum Glück ist alles gut gegangen. Vom Parkplatz aus, fuhren alle 10 Minuten Shuttlebusse zur Strecke. Der Transfer lief wirklich reibungslos ab und war bestens organisiert.

Ja ist denn schon Karneval?
Pünktlich zum Start der U23, war ich also mitten im Geschehen. Das Ganze ohne Kontrolle der Eintrittskarte. Wozu habe ich eigentlich die 36,00 € bezahlt? Auf der Suche nach einem perfekten Platz zum Anfeuern, wurde mir auch schnell bewusst, dass dieses Rennen eine andere Welt ist. Nicht im negativen Sinne, aber es ist einfach anders. Überall sieht man verkleidete Menschen mit lustigen Hüten. In der einen Hand eine riesige Fahne, in der anderen das Bier. Es ist eine einzige Party. Ich habe zuvor noch nie so etwas erlebt.  Für alle, die sich ebenfalls mit solchen Rennen nicht auskennen: Cyclo-Cross ist in vielen Ländern einfach nur eine Sportart am Rande, aber in Belgien ist es DER Sport. Man könnte fast schon sagen, was für die Deutschen Fußball ist, ist für die Belgier Cyclo-Cross. Es sind keine Rennen, sondern Volksfeste.
Pech für Simon Andreassen
Was für ein Pech für den U23 Mountainbike Profi. Nach zwei Platten, platzte für ihn der Traum der Goldmedaille. Dabei war er doch mein persönlicher Favorit. Schade. Aber manchmal spielt das Glück eben nicht mit.

Nach dem Rennen der U23 hieß es erst mal warten, warten und noch mal warten. Ganze 3 Stunden bis zum Start des Rennens der Männer. Ich hatte das Gefühl, die Zeit steht still. Vielleicht hätte ich das Rennen doch lieber gemütlich auf der Couch statt bei 3 °C in der Kälte schauen sollen? Zum Start des Hauptrennens waren die Zweifel aber sofort wieder verflogen. Was ein spannendes Rennen! Es ist einfach unfassbar, wie viel Vorsprung sich die ersten beiden Fahrer einfahren konnten. Ein Kopf an Kopf Rennen zwischen Belgien und den Niederlanden. Am Ende konnte aber der Belgier Wout van Aert das Rennen für sich entscheiden. Und was für eine Leistung von unserem Saarländer, Sascha Weber. Er überquerte als bester Deutscher auf Rang 10 die Ziellinie. Respekt!
Nun sitze ich wieder hier zu Hause und denke zurück an diesen genialen Tag. Noch immer geflasht über diese wahnsinnige Stimmung. Kennt ihr das, wenn ihr live dabei seid bei solch einer riesigen Veranstaltung und das eure eigene Motivation noch mal pusht? So geht es mir gerade 🙂 Ich konnte meinen Motivationsspeicher wieder füllen 🙂

Für alle, die das Rennen gestern nicht sehen konnte, hier die Übertragung:

2 Gedanken zu “Ein Tag bei den Cyclo-Cross Weltmeisterschaften

  1. Hallo
    Schön zu lesen deine Worte. Luxenburg war gut von der Stimmung…. Ich bin selber bei drei WM´s gefahren darunter 2 mal in Belgien!!

    Mein Tipp: schau dir eine WM in Belgien an oder wie nächstes Jahr Valkenburg (NED) da verdreifacht sich das puplikum und die Stimmung :-))))))

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