Lohnt sich eine Klingel noch?

Nach den vielen grauen, kalten Tagen zeigte sich nun doch hin und wieder mal die Sonne. Da kommen fast schon Frühlingsgefühle auf. Das nicht nur bei mir, sondern auch bei vielen anderen, was sich auch auf den Wegen, auf denen viele Spaziergänger unterwegs sind, bemerkbar macht. Kaum sind die ersten Sonnenstrahlen da, sind auch die Wege voll. Und genau dann spielt sich immer folgendes Szenario ab …
… Michelle fährt langsam an die Spaziergänger heran, klingelt gefühlte 100 mal mit einer lauten Fahrradklingel, die Spaziergänger drehen sich um, erschrecken sich zu Tode und meckern lautstark „Sag mal, haben Sie keine Klingel?!“ oder „Hören Sie mal junge Dame, Sie könnten ruhig mal etwas langsamer fahren!“Männchen
Ist ja nicht so, als hätte ich vorher mehrfach laut geklingelt. Aber die Fußgänger hören es einfach nicht. Da stellt sich mir wirklich die Frage, wollen sie es einfach nicht hören oder ist eine Klingel am Fahrrad nicht mehr notwendig? Wozu auch, wenn sie ihren Zweck nicht mehr erfüllen kann?!
Ich war bisher immer der Meinung, dass eine Fahrradklingel an jedes Rad gehört, da sie zur Verkehrssicherheit beitragen kann. Jetzt wird der ein oder andere wahrscheinlich denken „Oh nein, keine Klingel, die ist doch uncool!“ Aber das ist mir egal. Irgendwie muss ich mich als Radfahrer ja bemerkbar machen, aber heutzutage führt klingeln leider nicht mehr zu der gewünschten Reaktion. Ich glaube, ich muss mir so langsam Alternativen zur Klingel überlegen. Dann kämen zum Beispiel meine Laufräder ins Spiel. Einfach laufen lassen und das Freilaufgeräusch noch durch rückwärts treten verstärken. Klappt meistens ganz gut. Und wenn alles schief geht, hilft nur noch ein freundliches „Entschuldigung, dürfte ich bitte vorbei? – Danke!“ Keep smiling 🙂 !
Schreibt mir doch mal in die Kommentare wie ihr das so erlebt. Reagieren die Fußgänger bei euch auf das Klingeln? Habt ihr überhaupt eine Klingel am Bike oder nutzt ihr andere Alternativen? Ich bin schon sehr gespannt auf eure Antworten 🙂

8 Gedanken zu “Lohnt sich eine Klingel noch?

  1. Natürlich habe ich eine Klingel am Rad, nur erlebe ich die Situation bei weitem nicht so freundlich Eher sind die Spaziergänger genervt, wenn Sie einen Schritt an die Seite machen sollen oder die „Viererformation “ nebeneinander über die gesamte Wegbreite auflösen müssen, weil man entweder vorbei möchte oder auch wenn man von von vorne kommt. Leider gibt es nur wenig Freundlichkeit und Rücksichtnahme, sorry, aber so erlebe ich es immer wieder. Keep smiling ist immer hilfreich, verfängt aber leider immer seltener. Ich habe immer öfter das Gefühl, das die Spaziergänger meinen, der Wald und die Wege sind nur für sie alleine da, die Radfahrer stören nur und sind Rowdys. Da kann man noch so viele Fliegen zwischen den Zähnen haben (vom ständigen lächeln) . Ein bißchen mehr miteinander wäre schön…..

  2. Ich habe an den Rädern, die ich sportlich nutze MTB und RR keine Klingel. Ich nutze meine Stimme oder Freilauf bzw. Schaltung und Bremse. Es funktioniert weitaus besser. Wer es gerne unsozial mag kann auch die Bremse ganz kurz feste ziehen, damit die Reifen blockieren – die meisten Personen springen dann zur Seite. Nachteil dabei: Sie springen immer genau auf die Seite, auf der man eigentlich vorbei wollte.
    Daher weiterhin lieber: „Entschuldigung, einmal links vorbei – Danke und einen schönen Tag“.
    Die Wege auf denen sehr viel los ist meide ich ohnehin.

  3. Das kann ich so gar nicht bestätigen. Meine Klingel ist nicht gerade laut, die meisten reagieren aber beim ersten Klingeln. Wenn nicht, klingel ich nach 2-3 s nochmal, ggf. auch noch ein drittes mal, aber drei mal oder häufiger klingeln ist eher die Ausnahme. Bei über 7.000 km im letzten Jahr erinnere ich mich nur an ein einziges mal, wo ich nicht gehört wurde. 2 ältere Frauen, total verschlammte Klingel…
    Die meisten Leute reagieren auch recht entspannt, grüßen freundlich usw. Die häufigsten Aufrefer meinerseits gibt es eigentlich über Leute, die für das Platz machen ein Danke erwarten, und das entsprechend kommentieren. Das finde ich bei einer Waldautobahn doch etwas übertrieben. Auf dem Trail ist das natürlich was anderes. Da ist sowas selbstverständlich. Oft mache ich sogar Platz, und lasse Entgegenkommende vorbei gehen. Das gibt auch immer sehr freundliche Reaktionen, und man kann sogar noch ein paar Worte wechseln.
    Vor einiger Zeit hatte ich 2 MTBler vor mir, die haben etwa im Sekundentakt, abwechselnd geklingelt bis sie bemerkt wurden. Über so ein „Sturmklingeln“ würde ich mich als Spaziergänger/Wanderer auch aufregen.

    Alternativen? Mein Freilauf ist schön laut (ich liebe das Geräusch), und auf gerader Strecke oder bergab lasse ich natürlich laufen, wenn vor mir Fußgänger sind. Bergab kommen dann ggf. noch quietschende Bremsen dazu. Ab einer gewissen Distanz wird geklingelt, wenn ich noch nicht bemerkt wurde.

  4. Ich nutze sie nicht gerne, hab sie aber fast an allen Rädern als ultima ratio, wenn ich schneller unterwegs bin. Grundsätzlich fühlen sich die Fußgänger wie Radfahrer vom Einsatz der Klingel genert. Sicherlich ist das auch von der Region abhängig. Ich bin viel im Köln-Bonner-Raum unterwegs. Radfahrer und Fußgänger müssen sich hier viele Wege teilen. Obwohl beide im gleich Boot sitzen, geht’s hier manchmal recht ruppig her.

  5. Nachdem ich jahrzehntelang so naiv war zu glauben, die freundliche verbale Kontaktaufnahme bei fast-schon-Schritttempo sei das fußgängerfreundlichste Mittel, werde ich mir die Knog Oi ans Rad schrauben. Sieht nicht aus wie eine Klingel, ist leicht und passt noch zwischen Lenkergriff und Armaturen. Dann können sich Fußgänger endlich wieder kreislaufanregend erschrecken und müssen sich nicht beschweren, dass ich keine Klingel habe.

  6. Erstmal möchte ich dem Zufall danken, daß er mich auf diese Seite geführt hat. Und zweitens möchte ich placetoride für die wundervolle Wortschöpfung „Waldautobahn“ danken.

    Audiatur et altera pars — für zivilisierte Leute, denen ich mich unbescheiden zuzähle, eine Selbstverständlichkeit!

    Ich möchte nicht als alter Wanderer gegen Euch argumentieren, sondern mir nur ein paar Anmerkungen erlauben, um die Situation, um die es geht: Unterschiedliche Geschwindigkeiten auf einer schmalen Trasse, ein wenig aus der Distanz zu betrachten.

    1. Aus den 80er und 90er Jahren habe ich viele Szenen in Erinnerung, in denen Autofahrer, um besser an Radfahrern vorbeizukommen, gehupt haben und dafür wüst beschimpft worden sind. Das meist mehrstimmig vorgetragene „Scheiß Autofahrer!!!“ klingt mir noch heute in den Ohren. Es scheint also für den Langsameren unangenehm zu sein, dem Schnelleren auf Anforderung Platz zu machen – BING = HUPEN. Auch auf Autobahnen erfreuen sich die „Raser und Drängler“ keiner großen Beliebtheit. (Ich will Euch nicht als Raser und Drängler bezeichnen, es geht mir um das Prinzip: schnell + langsam + schmale Trasse = Konflikt.)

    2. Die Nutzung des Waldes als Sportstätte ist historisch gesehen sehr neu. Es gab Waldlaufwettbewerbe und auch Radrennen durch den Wald, aber Training und Wettbewerb fanden auf gesonderten Trassen statt, etwa auf abgezäunten Geländen, wo es dann auch Motorradwettbewerbe gab. Mit den Joggern und Mountainbikern auf den Wanderwegen fing es etwa um 2000 an.

    3. Eine erstaunliche Leistung der öffentlichen Verwaltung ist es etwa um diese Zeit gewesen, die Beschilderung des Waldes aus den Händen der Wandervereine in die eigene Hand zu nehmen. (Wer die öffentliche Verwaltung kennt, der weiß, daß eine solcher Arbeitsaufwand von „ganz oben“ angeordnet sein muß). Innerhalb einer erstaunlich kurzen Zeit wurden im ganzen Land Wald und Feld und sogar Parkanlagen mit Schildern versehen, die die Richtung und die Entfernung anzeigen.

    4. Falls Ihr nichts mit der öffentlichen Verwaltung zu tun habt, so werdet Ihr Euch kaum vorstellen können, wieviele Sitzungen von wievielen Gremien der endgültigen Festlegung eines beschilderten Radwanderwegs vorausgehen. Die Ergebnisse entspringen nicht der Laune irgendeines Wirrkopfes, sondern sind wohldurchdacht und x-mal geprüft.

    5. Ich überlasse es Euch, ein kritisches Auge auf die Beschilderungspolitik zu werfen. Ein Beispiel: In der fränkischen Stadt Waldsassen gibt es zentrumsnah einen kleinen, aber wunderschönen Klostergarten. Durch diesen Klostergarten führen überregionale Radwanderwege mit entsprechender Beschilderung + Konflikten. — Kann man in den Radwanderführern nicht empfehlen, das Fahrrad mal abzustellen und sich den sehenswerten Park in Ruhe anzuschauen? Und die Route am Klostergarten vorbei leiten?

    6. Was ich sagen will: die planenden Behörden hätten auch die Möglichkeit, den neuen Nutzungsanspruch an den Wald als Sportstätte von dem althergebrachten Nutzungsanspruch als Stätte der Erholung und Meditation zu trennen und das Miteinander möglichst harmonisch zu gestalten. Die Behörden machen, wie in Waldsassen, das Gegenteil.

    7. Wenn Ihr also auf Spaziergänger oder Wanderer trefft, die Euch auf den Wecker fallen, dann bedenkt audiatur et altera pars und vor allem, daß die Zwietracht, die Ihr erlebt, geplant ist. Ihr seid nur, ebenso wie die Euch anpöbelnden Wanderer, Marionetten in einem ganz widerlichen Theater des Hasses.

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